Inhaltsverzeichnis

 

Einleitung

Bargeld hat sich in den letzten, etwa hundert Jahren, als der De-Facto-Standard im Bereich Währung etabliert und wird in so gut wie allen Ländern der Welt verwendet. Ebenfalls hat sich, darauf aufbauend, eine abstrahierte, und heutzutage oftmals digitale Version des Bargelds, Giralgeld — Banken, Bankkonten, Kreditkarten, etc., etabliert. Auch das ist in den meisten Teilen der Welt normal geworden und oftmals eine Voraussetzung für das Leben in unserer modernen Gesellschaft.

Nun aber hat die Welt der Kryptowährungen das Feld der Währungsformen in den letzten etwa zehn Jahren enorm erweitert und aufgezeigt, dass es auch alternative Ansätze gibt, welche das Potenzial haben, zumindest das Giralgeld zu ersetzen. Neben dem bekanntesten Vertreter Bitcoin gibt es inzwischen hunderte verschiedene Kryptowährungen. Bitcoin Maximalisten gehen sogar soweit, Bitcoin als digitales Gold zu bezeichnen.

Jedoch haben auch die Institutionen unserer Gesellschaft realisiert, welches Potenzial digitale Währung besitzt. Deswegen gibt es immer größere Bestrebungen, eine digitale Zentralbankwährung, Central Bank Digital Currency (CBDC), einzuführen. Da auch die EU sich aktiv mit dem “digitalen Euro” beschäftigt, ist es wichtiger denn je, sich mit dieser Form der Währung und ihren Auswirkungen auf gesellschaftlicher sowie individueller Ebene auseinanderzusetzen. Nur aus einem klaren Verständnis, wieso eine Entwicklung hin zur digitalen Zentralbankwährung eine Gefahr darstellt, kann die Motivation wachsen, sich aktiv dagegenzustellen und für Alternativen zu kämpfen.

Wieso sind Bargeld und vor allem Edelmetalle wie Gold und Silber so wichtig? Welche Gefahren bringt eine digitale Zentralbankwährung mit sich? Welche Rolle spielt digitales Giralgeld in der Entwicklung hin zu CBDC? Diese und weitere Fragen sollen in diesem Artikel betrachtet werden. Dabei werden wir uns in unserer Diskussion auf die bereits erwähnten Geldformen beschränken: Edelmetalle, Bargeld, Giralgeld, Kryptowährungen und CBDC. Jede dieser Formen wollen wir unter gewissen Gesichtspunkten analysieren, die von gesellschaftlicher Relevanz sind, wie beispielsweise Zentralität/Dezentralität, Anonymität, Privatsphäre, Sicherheit, Kontrolle und Bequemlichkeit.

Während man bei diesem Thema noch sehr viel mehr in die Tiefe gehen könnte, insbesondere, was wirtschaftliche Aspekte angeht, wollen wir uns hier auf gesellschaftliche Aspekte konzentrieren.

 

Währungsformen

 

Edelmetalle

Edelmetalle sind die älteste, noch immer bestehende Form des Geldes. Metalle, wie Gold und Silber, erhalten ihren Wert durch ihre natürliche Seltenheit, sprich dadurch, dass sie nur selten vorkommen und nicht angebaut oder gezüchtet werden können. Mit dem entsprechenden handwerklichen Geschick können diese Edelmetalle in ihrer Form verändert werden, aus beispielsweise Golderz kann man Goldbarren oder Münzen herstellen. Diese erlauben es, einfach damit zu handeln und diese zu verwalten. Anstatt nach Gewicht gehen zu müssen, muss man nun nur die Anzahl an Münzen oder Barren zählen und entsprechend gewichten. Ein Barren ist beispielsweise so viel wert wie 50 Münzen etc.

Edelmetalle sind nicht durch eine einzige Entität kontrollierbar. Es gibt niemanden, der beispielsweise Gold aus dem Nichts erschaffen kann oder die Möglichkeit hätte, allen Handel mit Gold zu überwachen, zu manipulieren oder zu zensieren. Edelmetalle sind eine dezentrale Form des Geldes, jeder kann sie aus natürlichen Vorkommen abbauen und gewinnen, sprich beispielsweise Golderz zu Gold machen. Trotzdem ist ihre Menge durch objektive Faktoren beschränkt. Jedoch muss man hier erwähnen, dass die tatsächliche Situation natürlich komplizierter ist, als das hier dargestellt wird. Theoretisch ist es möglich, dass ich hinaus in die Welt gehe und nach beispielsweise Gold suche. Und während beispielsweise des Goldrauschs in Amerika war das auch tatsächlich eine realistische Möglichkeit Geld zu verdienen. Heutzutage ist das aber nicht mehr realistisch. Denn das meiste Gold, was in leicht abbaubarer Form existiert, wurde bereits abgebaut und liegt in diversen Tresoren rund um die Welt verteilt1.

Auch in der Lagerung sind Edelmetalle dezentral, jedes Individuum hat letztendlich Kontrolle über die eigenen Edelmetalle und ist selbst dafür verantwortlich, wie es diese lagert. Dadurch gibt es keine Entität, wie beispielsweise einen Staat, welche direkte Kontrolle über den Wohlstand von Individuen hat. Edelmetalle sind anonym, privat und Handel mit ihnen ist frei, sprich er kann, ohne weiteres, weder überwacht, manipuliert noch zensiert werden.

Bequem sind sie nur zu einem gewissen Grad. Da Edelmetalle Objekte in der echten Welt sind, sind sie natürlich an die Regeln unserer Welt gebunden. Wenn ich also beispielsweise meine Goldmünzen zu Hause vergesse, dann kann ich diese nicht auf dem Markt eintauschen. Alltäglich sind sie nur in der Hinsicht flexibel, und dadurch bequem, da man sie ohne weiteres tauschen, schenken, wechseln, leihen, usw. kann. Edelmetalle sind physische Tauschmittel und können so gegen andere Waren getauscht werden. Ein Kritikpunkt ist jedoch, dass Edelmetalle nicht inhärent quantifizierbar, sprich abzählbar, sind. Dieses Problem lässt sich durch normierte Formen wie Münzen regeln, bedeutet dann aber natürlich, dass es jemanden benötigt, der diese Normierung vorgibt und sie durchsetzt.

Gesellschaftlich sind sie flexibel, da sie die meisten Freiheitsgrade bieten und eine Gesellschaft, die Edelmetalle als Währungsform nutzt, dadurch mit am wenigsten Institutionalisierung auskommt. Man benötigt beispielsweise weder Staat noch Zentralbank, die Gelder drucken, und man braucht auch keine gigantische Infrastruktur, um Geld zu simulieren. Das kommt daher, da jeder die Echtheit von Edelmetallen anhand gewisser Eigenschaften verifizieren kann. Wie jedoch bereits erwähnt, ist ein Nutzen von Edelmetallen ohne beispielsweise eine Normierung was die Form betrifft, sehr inpraktikabel.

Echtheit ist aber auch, was zu einem gewissen Sicherheitsproblem führt. Denn die echte Welt ist nie zu 100 Prozent kontrollierbar. Und da Edelmetalle eben auch Objekte in dieser echten Welt sind, ist es natürlich möglich, dass einem Edelmetalle gestohlen werden. Es gibt keine Macht, die das prinzipiell verhindern kann. Natürlich kann man aber gewisse Sicherheitsmaßnahmen treffen, wie beispielsweise seine Edelmetalle in einem Tresor zu lagern oder diese an einer unbekannten Stelle zu vergraben. Der Aspekt der Sicherheit stellt damit einen Nachteil dar, und ist auch eines der Argumente, welche oft gegen Edelmetalle verwendet werden2.

 

Bargeld

Wie auch bei Edelmetallen handelt es sich bei Bargeld um pyhsische Objekte. Einen Schein oder auch eine Münze kann man in der Hand halten, man kann ihn finden, verlieren, verschenken, eintauschen, vernichten, horten und sammeln. Das bedeutet, dass Bargeld viele der Charakteristiken aufweist, die wir schon bei Edelmetallen gesehen haben. Anonymität und Privatsphäre beim Tausch, Handel und Besitz, Dezentralität bei der Lagerung und alltägliche Flexibilität.

Bei Bargeld hat man natürlich die gleichen Sicherheitsprobleme wie bereits bei Edelmetallen. Da es Objekte in der echten Welt sind, können diese geklaut werden oder verloren gehen. Jedoch gilt es hier bereits zu erwähnen, dass das bei digitalem Geld auch eine Möglichkeit ist, jedoch ohne, dass der Besitzer dies erstens mitbekommt, und zweitens etwas dagegen unternehmen kann. Denn um echtes Geld zu stehlen, benötigt es Taten in der echten Welt. Diese involvieren in den meisten Fällen einen Einbruch oder eine direkte, physische Konfrontation. Man ist nicht der zugrunde liegenden Technologie ausgesetzt und muss auf diese vertrauen, so wie dies im digitalen Raum der Fall ist.

Bargeld ist im Gegensatz zu Edelmetallen in seiner Schöpfung nicht mehr dezentral. Diese liegt bei Bargeld in der Hand von zentralisierten Institutionen, wie beispielsweise Zentralbanken. Damit ist die gesellschaftliche Flexibilität, die bei Edelmetallen beschrieben wurde, nicht mehr vorhanden. Es braucht nun Institutionen, welche Währung schaffen.

Trotzdem muss man festhalten, dass Bargeld, nach Edelmetallen, die flexibelste und argumentativ beste Form der Währung ist, wenn es um solche Aspekte wie Freiheit geht. Eben weil sie in der echten Welt existiert und demnach beispielsweise gewisse Dinge nicht ohne weiteres am Besitzer vorbei durchgesetzt werden können, sondern dieser immer die Möglichkeit hat, sich zu wehren3. Die Kontrolle über den eigenen Wohlstand liegt in den Händen des Besitzers.

 

Giralgeld

Giralgeld, auch Buchgeld genannt, ist eine abstrakte Repräsentation des Bargeldes. Konkret ist Giralgeld der Anspruch auf Bargeld. Der Betrag, der auf dem Bankkonto festgehalten wird, ist ein Versprechen, dass dem Inhaber des Kontos dieser Betrag zusteht. Dass also die entsprechende Bank auf Anfrage hin dem Kontoinhaber den Betrag, beziehungsweise einen Teil davon, auszahlen muss. Wie dieses System im Detail funktioniert, soll hier nicht analysiert werden, da eine solche Analyse aufgrund der enormen Komplexität des Systems den Rahmen sprengen würde.

Transaktionen mit Giralgeld sind also Umschreibungen von Anspruch. Wenn man eine Überweisung von Betrag x€ zu Person y tätigt, sagt man letztendlich der Bank “bitte schreibe meinen Anspruch auf x€ Bargeld, auf y um”. Es findet also kein tatsächlicher Austausch von Objekten in der echten Welt statt.

Dadurch, dass die Bank Wohlstand verwaltet, ist klar, dass sie darüber faktisch Kontrolle hat. Anders als bei Edelmetallen und beim Bargeld, liegt die Kontrolle also nicht mehr in den Händen des Inhabers. Die Lagerung ist somit quasi zentralisiert4. Dieser Wechsel stellt einen fundamentalen Unterschied dar. Denn er ermöglicht sowohl Kontrolle, als auch Überwachung von Geldflüssen. Kontrolle insofern, dass einzelne Konten oder Karten gesperrt und gewisse Überweisungen unterbunden werden können. Natürlich kann auch alles überwacht werden, da die Bank den kompletten Zustand zu jedem Zeitpunkt kennen muss, um handlungsfähig zu sein.

Doch nicht nur das: Der Wechsel weg von realem Tausch schafft eine Nutzugsbeschränkung der Währung. Edelmetalle und Bargeld kann man verwenden, egal wer man ist. Es zählt nur, dass der Gegenüber bereit ist, mit einem zu tauschen — Ware gegen Geld. Ein Ureinwohner Afrikas könnte ebenso Bargeld in Deutschland verwenden, wie der perfekt integrierte Durchschnittsdeutsche. Bei Giralgeld ist das jedoch insofern anders, als dass sie daran geknüpft ist, in unserer technischen Zivilisation integriert zu sein. An sich ist klar, wieso: eine Bank will natürlich wissen, wem sie es ermöglicht zu handeln und bei ihr Wert anzulegen. Man benötigt also einen Identitätsnachweis.

Dadurch erübrigt sich auch die Frage nach Anonymität. Denn da jedes Konto und jede Karte an eine Identität geknüpft ist, und die Bank zu jedem Zeitpunkt alle Informationen zum Kontostand und allen Überweisungen daraus hat, gibt es bei Giralgeld keine Anonymität.

Die Frage nach Schöpfung oder Erschaffung der Währung ist tatsächlich nicht sofort klar. Letztendlich ‘schöpfen’ Banken Giralgeld, nicht Zentralbanken5. Das bedeutet, dass nicht beispielsweise die EZB Giralgeld schafft, sondern die Sparkasse. Dadurch ist die Schöpfung der Währung zwar nicht komplett zentralisiert, jedoch fast vollständig, da die Zahl an Banken sehr klein ist, analog zur Zentralisierung bei der Lagerung.

Ein weiterer Aspekt, der nur bei Giralgeld gegeben ist, ist, dass der Staat eine Notwendigkeit dafür schafft, da man beispielsweise Steuern und Strafgelder nur überweisen kann6. Da es eine Steuerpflicht gibt, gibt es ergo auch eine Giralgeldpflicht. Die Nachfrage nach Giralgeld wird dadurch nicht durch beispielsweise soziale oder wirtschaftliche Faktoren bestimmt, sondern wird vom Staat erschaffen. Warum der Staat nur Giralgeld akzeptiert liegt auf der Hand: von mehreren Millionen Menschen Steuern in Bargeld einzutreiben und dabei nicht den Überblick zu verlieren ist um ein Vielfaches schwieriger, als den Vorgang mit Überweisungen abzuwickeln. Zusätzlich muss man sich bei Giralgeld keine Sorgen um Falschgeld machen. Ein Fakt dabei ist, dass das auch für den Steuerzahler einfacher ist und demnach nicht als Problem angesehen wird7.

Was Sicherheit angeht, ist die Sicherheit des eigenen Wohlstands an die Sicherheit der jeweiligen Bank, sowie die Sicherstellung des persönlichen Zugriffs darauf geknüpft. Hier wird nun die Form in der Giralgeld umgesetzt wird relevant. Denn Giralgeld ist ersteinmal nicht an eine bestimmte Form gebunden, es muss nicht zwangsweise digital sein. Und vor der digitalen Revolution war es das auch nicht. Der Trend, den man seit einiger Zeit jedoch beobachten kann, ist eine zunehmende, teilweise sogar komplette Digitalisierung des Giralgeldes. Mit Online-Banking und Zahlungsabwicklern wie Paypal, Google, Apple, Visa, Mastercard und weiteren an der Spitze dieser Entwicklung8. Bei einer Analyse der Sicherheit kommt es also ersteinmal auf die Form an, in der Giralgeld umgesetzt wird. Bei Giralgeld hat man eine starke Zentralisierung in der Lagerung, wie bereits analysiert. Das sieht erst einmal nach etwas Gutem aus, denn das bedeutet weniger Punkte, welche man schützen muss. Letztendlich führt es jedoch dazu, dass der Fokus und das Interesse auf diese Punkte, also Banken, extrem stark steigt. Dieser Fakt ist tief in unserem Zeitgeist und unserer Kultur verankert, wie man anhand der Menge an Filmen und sonstigen Medien, die das Ausrauben von Banken thematisieren, festmachen kann. Jedoch ist hier sehr wichtig zu erwähnen, dass natürlich nicht der Kontoinhaber dadurch direkt bestohlen wird, sondern nur die Bank. Denn das Versprechen, welches die Bank dem Kontoinhaber gibt, also den Betrag an Bargeld, den sie ihm schuldet, ändert sich nicht nach einem Diebstahl.

Für den Kontoinhaber ist jedoch ein anderes Sicherheitsproblem von Relevanz: Identitätsdiebstahl. Denn der Zugriff auf den eigenen Wohlstand ist an die Identität gebunden. Wenn jemand Anderes sich nun als der Inhaber eines Kontos ausweisen kann, hat dieser auch Zugriff auf den Wohlstand der Person. Hier wird insbesondere die Digitalisierung des Giralgeldes zu einem großen Problem, denn im digitalen Raum kann man sich nicht durch sich selbst ausweisen, also dadurch, dass beispielsweise die Bankmitarbeiter einen kennen, da alles automatisiert abläuft. Also muss auf Abstraktionen der Identität zurückgegriffen werden, sprich Authentifizierungsnachweise. Diese kommen hauptsächlich in drei verschiedenen Formen: Sein, Wissen und Haben. Ein Beispiel für Sein wäre Gesichtserkennung oder ein Fingerabdruckssensor. Bei Wissen ist das Passwort oder die PIN ein klassisches Beispiel und Haben wird im Kontext von Giralgeld primär durch den Besitz einer Bank- oder Kreditkarte verwirklicht. Das Problem im digitalen Raum ist, dass all diese Dinge nicht zwangsweise sicher sind. Wissen kann gestohlen oder erraten werden, beispielsweise durch Phishing-Scams oder Bruteforce-Attacken, Besitz kann gestohlen werden. Und auch das eigene Gesicht oder der eigene Fingerabdruck ist für einen Sensor ausreichend duplizierbar. Und dadurch öffneten sich Tür und Tor für gigantische Schwarzmärkte, auf denen man heute alles findet, von tausenden Angeboten für Kreditkarten-Infos über Paypal-Zugänge, hin zu Diensten um gewisse Authentisierungsvorgänge komplett zu umgehen. Ein großes Problem hierbei ist, dass all das den Inhabern dieser Accounts, Karten und Konten oft nicht bewusst ist. Und selbst wenn es ihnen bewusst wird, können sie selbst wenig bis nichts dagegen tun. Die Kunden sind also abhängig von den Dienstleistern der Infrastruktur, welche sie nutzen. Wenn man ausgeraubt wird, kann man das nicht übersehen und man kann handeln. Wenn jedoch das eigene Passwort geknackt wird, kann es durchaus sein, dass man davon überhaupt nichts mitbekommt. Selbst wenn, kann man selbst dagegen wenig unternehmen außer zu hoffen, dass beim Erstellen eines neuen Passworts der Zugang des Angreifers ungültig wird. Und da man auf seinem Bankkonto, aufgrund der angeblich erhöhten Sicherheit, meist den Großteil seines Vermögens aufbewart, sind entsprechend auch die Konsequenzen eines Diebstahls drastischer.

Die fortlaufende Digitalisierung des Giralgeldes ebnet des Weiteren den Weg hin zu CBDC, was im Folgendem noch dargelegt wird.

 

Kryptowährungen

Kryptowährungen sind der neuste Hype des letzten Jahrzehnts. Angefangen mit Bitcoin gibt es inzwischen tausende verschiedene Kryptowährungen. Prinzipiell basieren sie jedoch alle auf ähnlichen Prinzipien und Mechanismen, weshalb wir sie größtenteils als einen Block betrachten werden.

Der zentrale Punkt von Kryptowährung ist die Dezentralität der Schöpfung. Es gibt nun nicht mehr eine Entität, welche Währung schaffen kann, und demnach auch die Menge an Geld, die es gibt, kontrollieren kann, sondern jedermann ist in der Lage, Geld zu schaffen — im Bereich von Kryptowährung wird hierbei von ‘minen’, also abbauen, gesprochen. Ermöglicht wird das durch Anwendung von Konzepten aus der Kryptografie, wie beispielsweise Hashes. Bei Bitcoin ist es so, dass neue Bitcoins nur durch Aufwand, bei Bitcoin konkret Rechenleistung, ‘abgebaut’ werden können. Jeder, der also Rechenleistung zur Verfügung stellt, kann Bitcoins minen.

Man kann also durch Kryptografie bestimmen, wie Schöpfung aussieht9, wie viel neues Geld innerhalb eines gewissen Zeitraums geschaffen werden und wie viel Geld es insgesamt geben soll. Beispielsweise gibt es nur endlich viele Bitcoins. Sobald diese einmal geschöpft wurden, können keine neuen erzeugt werden. Außerdem ist beispielsweise Bitcoin deflationär konstruiert. Das bedeutet, dass die Anzahl an neuen Bitcoins mit der Zeit abnimmt10. Anders als bei Bargeld und Giralgeld ist die Schöpfung also wirklich dezentral. Wobei es auch hier natürlich auf die spezifische Kryptowährung ankommt, die man betrachtet.

Aber wie sieht es mit der Lagerung von Kryptowährung aus? Bei der Lagerung kommt es auch wieder auf die Spezifika der betrachteten Kryptowährung an. Ein zentraler Bestandteil einer jeden Kryptowährung ist jedoch die Blockchain. In dieser wird, mehr oder weniger, auch die Kryptowährung “gelagert”. Es wird also festgehalten, “wem” wie viel Kryptowährung gehört. Das wird durch bestimmte kryptografische Mittel bestimmt und ist demnach stets beweisbar, nachvollziehbar und nicht manipulierbar. Die Blockchain an sich speichert einfach alle Transaktionen und Neuschöpfungen der Währung. Sie ist zudem öffentlich von jedem einsehbar. Demnach kann mit einem Durchgehen der Blockchain von Anfang an bestimmt werden wer, oder genauer gesagt, welches Wallet11, zum jetzigen Zeitpunkt welche Menge der Währung besitzt.

Was das aber auch bedeutet, ist, dass man Kryptowährung nicht speichern oder lagern muss, da dies bereits durch die Blockchain passiert. Was man jedoch speichern muss, ist der kryptografische Beweis, dass man Inhaber eines gegebenen Wallets ist. Also quasi das “Passwort”12 zu dem Wallet. Dieses ist eindeutig, einmalig und kann faktisch niemals durch Brute-Force13 erraten werden. Und an sich ist das auch eine höchst elegante Lösung, denn man kann dieses “Passwort” zu seinem Wallet meist einfach auf Papier o.Ä. festhalten. Oder man hält es nirgends fest außer im eigenen Kopf. Dadurch reduziert sich die sichere Lagerung von Kryptowährung auf das Festhalten einer Information. Prinzipiell kann es somit zu ähnlichen Sicherheitsproblemen wie bei Giralgeld kommen, sprich ein Stehlen von Zugangsdaten. Da Giralgeld jedoch nie anonym ist, Kryptowährung aber meistens schon, ist das bei Giralgeld ein sehr viel größeres Problem, als bei Kryptowährung.14.

Da die Blockchain aber öffentlich ist, ist es jedem möglich, alle Transaktionen einzusehen und weiter auch den Reichtum eines jeden Wallets zu errechnen. Das stellt offensichtlich ein enormes Problem für die Privatsphäre dar. Anonymität hängt von der Zuordnung eines Wallets zu einer Person ab. Wenn man den Vergleich zu Bargeld zieht, welches in Geldbeuteln gelagert wird, betrifft Privatsphäre also die fehlende Möglichkeit in den Geldbeutel einzusehen und Anonymität die fehlende Möglichkeit den Geldbeutel seinem Besitzer zuzuordnen. Jedoch hängt auch diese Privatsphäre stark von der Kryptowährung ab, die man betrachtet. Während bei Bitcoin die Blockchain ermöglicht, direkt auf den Besitz eines Wallets zu schließen, sowie alle Transaktionen zwischen Wallets direkt sichtbar zu machen, wird dies bei Monero größtenteils unterbunden. Dies ist dank geschickter und komplexer Anwendung von kryptografischen Mitteln möglich. Aber auch bei Kryptowährungen wie Bitcoin, die keine Mechanismen verwenden um Transaktionen zu verschleiern, gibt es Mittel und Wege um seine Transaktionen und Reichtum intransparenter zu machen. Das wohl bekannteste Beispiel sind sogenannte “Bitcoin-Mixer”. Diese mischen Bitcoins, wodurch eine Nachverfolgung erheblich erschwert wird. Pauschal lässt sich also nur schwer eine Aussage über Privatsphäre und Anonymität treffen, da dies von der konkreten Kryptowährung und den darin verwendeten Techniken abhängt. Allgemein kann man jedoch schon sagen, dass Kryptowährung anonym ist, da das Erstellen eines Wallets keinen Identitätsnachweis erfordert. Was jedoch heutzutage immer einen Identitätsnachweis benötigt, ist, Kryptowährung von Börsen zu kaufen. Durch KYC — “Know Your Customer” — Gesetze, ist jede Börse dazu verpflichtet, die Identität ihrer Käufer zu kennen. Dadurch ist es heutzutage faktisch unmöglich, ohne Umwege an Kryptowährung zu kommen. Natürlich kann man aber auch privat kaufen und auch Kryptowährung-ATMs bieten die Möglichkeit des anonymen Kaufs.

Ähnlich sieht es auch bei dem Aspekt der Bequemlichkeit aus. Während die Lagerung, wie oben schon erwähnt, bei allen Kryptowährungen ähnlich bequem ist, unterscheiden sich Kryptowährungen sehr stark anhand von anderen Aspekten, beispielsweise anhand ihrer Transaktionsdauer, sprich wie lange es dauert, Geld zu überweisen15. Das geht von Minuten und Stunden, hin zu wenigen Sekunden. Pauschal kann man also nicht wirklich sagen, dass Kryptowährung alltagsuntauglich ist, es kommt auf die spezifische Kryptowährung an, welche man betrachtet.

Was jedoch auch fast universal eine Unbequemlichkeit darstellt, ist, dass man keine Transaktion ohne Kosten tätigen kann. Mit Bargeld oder Gold kann ich einen fixen Betrag x an eine andere Person geben und diese ist dann um diesen Betrag x reicher. Bei Kryptowährung ist das in aller Regel nicht der Fall. Das hängt mit der Infrastruktur zusammen, auf der Kryptowährung basiert. Diese Infrastruktur ist wie bereits erwähnt dezentral. Je zentraler diese ist, desto schlechter für die Währung, je dezentraler, desto besser. Um diese Dezentralität zu gewährleisten, benötigt es Freiwillige, welche bereit sind, Infrastruktur in Form von Servern zu stellen. Da dies jedoch Ressourcen kostet, z.B. Strom, ist es wichtig, einen Anreiz zu schaffen, da die Kryptowährung ohne eine dezentrale Infrastruktur nicht existieren kann. Dies passiert in der Form von Transaktionskosten für die Nutzung des Netzwerks. Wer Teil des Netzwerks ist, wird also in der Form von kleinen Beträgen der jeweiligen Kryptowährung belohnt. Diese Beträge stammen aus der Transaktionsgebühr.

Es gibt jedoch leider einen elementaren Punkt, warum Kryptowährung keine finale Lösung sein kann. Dieser ist, dass Kryptowährung digital ist und demnach von der Infrastruktur, welche diese Digitalität ermöglicht, abhängt. Das betrifft hauptsächlich das Stromnetz und das Internet. Diese Infrastruktur ist wiederum zentralisiert16. Das bedeutet, dass es einige wenige Entitäten gibt, welche Kontrolle über die Infrastruktur haben, diese überwachen, manipulieren, oder sogar selektiv abschalten können. Ein einfaches Beispiel hierzu sind Internetsperren, sprich das Blockieren gewisser Seiten ausgehend vom Internet Service Provider (ISP). Beispielsweise blockierte Vodafone einige Zeit lang ‘Library Genisis’, die größte Internetseite für digitale Bücher17. Überwachung im digitalen Raum ist mittlerweile auch ein weit verbreitetes und gut untersuchtes Phänomen. Hier kann man das Konzept von Infrastruktur fast noch besser veranschaulichen. Facebook stellt beispielsweise gewisse Infrastruktur bereit, sprich die Seite facebook.com und all ihre Funktionalität. Innerhalb dieser Infrastruktur können sie alles überwachen, ändern und zensieren, was sie wollen.

Einen weiteren Aspekt gibt es bei Kryptowährung noch zu untersuchen, der bei Edelmetallen, Bargeld und Giralgeld keine Rolle spielte: den Aspekt der Fungibilität. Fungibilität bedeutet, dass ein Stück Währung immer genau so gut ist, wie ein anderes. Ein 5€-Schein ist immer 5€ wert, solange er authentisch ist, zwei 5€-Scheine sind austauschbar. An sich kann man natürlich Scheine markieren, das hat jedoch erstmal keine Auswirkung, beziehungsweise ist eine Nachverfolgung, anhand dieser Markierung, praktisch unmöglich. Das gleiche gilt für Edelmetalle, welche man durch Schmelzung unkenntlich machen kann. Bei Giralgeld spielt dieser Aspekt gar keine Rolle, denn die Summe auf dem Konto ist sowieso nur eine abstrakte Zahl.

Bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen ist das anders. Jeder Bitcoin ist eindeutig nachverfolgbar. Bitcoin ist demnach nicht fungibel. Auf den ersten Blick stellt das kein Problem dar. Jedoch schafft es die Möglichkeit, gewisse Bitcoins abzulehnen. Ein gutes Beispiel dafür ist China, welches gewisse Bitcoins, die im Zusammenhang mit Drogenhandel stehen, verbietet18. Was das in der Praxis bringt, sei mal dahingestellt. An sich ist Fungibilität in der Verwendung jedoch kein Problem. Da Kryptowährung dezentral ist, in Schöpfung, Lagerung und Nutzung, ist es praktisch unmöglich diese Fungibilität zu nutzen, um arbiträre Beschränkungen zu verwirklichen. Natürlich könnte man festlegen, dass gewisse Bitcoins nur für gewisse Zwecke verwendet werden dürfen, dies wäre jedoch technisch unmöglich durchzusetzen, wenn überhaupt nur auf exekutiver Ebene, sprich mithilfe der Polizei u.Ä.19. Das Problem der Fungibilität hängt aber, wie viele Aspekte bei Kryptowährungen, von der genauen Währung ab, die man betrachtet. Auch hier kann man wieder Monero als Gegenbeispiel heranziehen. Monero erfüllt den Aspekt der Fungibilität, sprich, ein Monero ist immer genauso gut, wie ein anderer.

Wie wir in Folgendem sehen werden, spielt der Aspekt der Fungibilität bei CBDC eine zentrale Rolle und gehört zu den größten damit einhergehenden Gefahren.

 

Digitale Zentralbankwährung (CBDC)

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, steht CBDC für “Central Bank Digital Currency”. Wie der Name impliziert, handelt es sich hierbei um eine rein digitale Form der Währung, welche an eine Zentralbank gebunden ist.

Letztendlich funktioniert eine CBDC wie Bargeld, insofern, als dass eine Zentralbank die Währung schafft und verteilt. Deswegen wird es auch manchmal “digitales Bargeld” genannt. Im Gegensatz zu Bargeld gibt es keine echten Objekte mehr, die Währung repräsentieren, sondern alles ist rein digital. Letztendlich hat man nicht mehr, als ein Versprechen der Zentralbank.

Wie bereits erwähnt, werden wir in diesem Artikel nicht auf tief inhaltliche Fragen eingehen oder Details betrachten. Uns interessiert nur, was prinzipiell möglich ist. Ob ein Staat sich dann doch dazu entscheidet, bei seiner CBDC eine anonyme Nutzungsfunktion zu etablieren, ist für unsere Betrachtung irrelevant, da diese Funktion einzig und alleine vom Wohlwollen des Staates abhängt.

Zur Implementierung einer CBDC gibt es relativ wenig zu sagen. Die Implementierungsdetails sind letztendlich eher unwichtig, wenn es um die gesellschaftlichen Folgen von CBDC und Aspekte wie Macht geht. Jedoch ist klar, dass es bei jeder Option, wie man CBDC implementieren kann, nur eine Wahl gibt: die Effizienteste. Denn es gibt keinen Grund, nicht stets die effizienteste Option zu wählen.

Die Schöpfung der Währung ist, wie schon erwähnt, zentralisiert. Die Zentralbank bestimmt einfach, dass es mehr von der Währung geben soll, und schon ist es so. Anders als beim Bargeld müssen hier nicht einmal mehr echte Scheine gedruckt und in Umlauf gebracht werden, da alles digital abläuft.

Die Lagerung ist ebenfalls zentralisiert. Während die Lagerung bei Edelmetallen und Bargeld komplett dezentral, bei Kryptowährung in gewisser Form auch dezentral, und bei Giralgeld quasi zentralisiert war, ist sie bei CBDC komplett zentralisiert. Sprich, das Individuum hat keinerlei Kontrolle mehr über den eigenen Wohlstand, sondern nur die Kontrolle, die ihm von der Zentralbank zugeschrieben wird. Dieser Punkt wird in Folgendem detaillierter betrachtet.

Transaktionen laufen, anders als bei Kryptowährungen, ebenfalls über eine zentralisierte Infrastruktur ab. Diese Infrastruktur gehört einer Entität, der Zentralbank, welche entsprechend komplette Kontrolle darüber hat. Anders als bei Giralgeld hat man nun nicht einmal mehr die Wahl der Bank, von der man sich ausspionieren lassen will. Wichtig hierbei ist, dass nicht der Fakt, ob diese Dinge passieren, ausschlaggebend ist, sondern, dass sie ohne Weiteres passieren können. Das Potenzial ist das grundlegende Problem.

Wie bereits erwähnt, spielt der Aspekt der Fungibilität, also der Austauschbarkeit von einem Stück Währung für ein weiteres, eine sehr wichtige Rolle bei CBDC. Dies ist einer der wichtigsten Unterschiede zu digitalem Giralgeld. Und anders als bei dezentralen Kryptowährungen stellt das bei CBDC ein praktisches Problem dar. Denn die Zentralbank, welche die CBDC ausstellt, bekommt somit eine noch nie zuvor gesehene Macht und Kontrolle über die Nutzer der Währung. Nun ist es beispielsweise möglich, dass gewisse Beträge an Geld auf einen gewissen Nutzen beschränkt werden können, beispielsweise, dass diese nur für Nahrung ausgegeben werden können. Oder dass bestimmte Beträge nur eine Zeit lang gültig sind. Das ist was Leute meinen, wenn sie davon reden, dass CBDC “programmierbar” sei. CBDC ist maximal flexibel, da es rein digital und vollkommen zentralisiert ist. Diese Flexibiltät ermöglicht alle denkbaren Beschränkungen. Es ist wichtig zu realisieren, dass es hier um können geht, nicht um dürfen! Dürfen gehört bald der Vergangenheit an, Beschränkungen des Könnens sind die Zukunft. Gemäß dem Motto “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.”

Dieser Punkt synergiert beispielsweise wunderbar mit “bedingungslosem” Grundeinkommen. Während momentan Sozialabgaben praktisch bedingungslos bezogen werden können und für alles ausgegeben werden können, wäre dies mit CBDC kontrollierbar; und das ohne exekutive Macht20.

Wenn CBDC erstmal nur Probleme zu machen scheint, wieso wird es dann trotzdem von vielen als etwas Positives betrachtet? Aufgrund der bisher beleuchteten Probleme von Edelmetallen, Bargeld und Kryptowährungen. Insbesondere sind das Bequemlichkeit und Sicherheit. Der Aspekt der Bequemlichkeit ist der, der von den meisten als Hauptargument verwendet sowie am stärksten beworben wird. In der Pro-CBDC-Propaganda wird das fast immer als “Freiheit” verkauft. Freiheit in dem Sinne, dass man sich freier von den Einschränkungen der echten Welt macht. Um auf das Beispiel von ganz am Anfang einzugehen: nun kann man gar kein Geld mehr zu Hause vergessen, da man seinen Wohlstand stets bei sich hat, in digitaler Form21. Auch ist es bequem, da CBDC mit zentralisierter Infrastruktur einfach viel schneller und effizienter arbeiten und funktionieren kann, im Vergleich zu Kryptowährung, welche von dezentraler Infrastruktur abhängt. Konkret sind Transaktionen also nicht von einer Blockchain abhängig22, sondern benötigen nur das “OK” der Zentralbank. Dadurch können Transaktionen viel einfacher in Echtzeit abgewickelt werden. Auch ist es für CBDC möglich, ohne direkte Transaktionskosten auszukommen23.

Ebenso ist der Aspekt der Sicherheit etwas, wo CBDC, zumindest auf den ersten Blick, einen positiven Eindruck macht. Anstatt den eigenen Wohlstand zu verwalten, erledigt das die Zentralbank. Durch eine zentrale Lagerung wird die Lagerstelle, die Zentralbank, natürlich auch zu einem attraktiven Angriffsziel. Wie bereits im Abschnitt zu Giralgeld erwähnt, wird von Kriminellen viel mehr Aufwand betrieben und es wird ein viel höheres Risiko eingegangen, um Banken auszurauben, als Individuen. Nicht nur das, die Fragilität des gesamten Systems steigt durch solch eine Zentralisierung. Bei Edelmetallen, Bargeld oder Kryptowährung gibt es keinen zentralen Angriffspunkt. Man kann natürlich die Zentralbanken, welche neues Bargeld drucken, angreifen und somit eventuell sogar bezwecken, dass kein neues Bargeld mehr gedruckt wird. Jedoch kann man nie alles Bargeld von heute auf morgen vernichten. Ebenso kann man bei Kryptowährung einzelne Server übernehmen oder lahmlegen, das Netzwerk an sich stellt jedoch erst einmal ein robustes System dar24. Bei CBDC ist es jedoch so, dass es einen zentralen “Point of failure” gibt. Sprich, einen Punkt an Infrastruktur, ohne welchen das gesamte System nicht mehr funktioniert. Aber auch das hängt natürlich stark von den konkreten Implementierungsdetails einer CBDC ab.

Allgemein lässt sich aber sagen, dass CBDC extrem fragil ist, verglichen mit den anderen Formen an Währung, welche wir hier betrachtet haben. Auch wenn es auf den ersten Blick sicherer erscheint, wird diese Sicherheit von der Enormität der Auswirkungen von Problemen argumentativ komplett überschattet. Nicht nur hat man die Zentralbank als zentralen Punkt des Versagens, da CBDC rein digital ist, stellt die darunterliegende Infrastruktur einen noch tiefliegenderen Angriffspunkt dar.

 

Digitales Geld — Giralgeld und CBDC

Auch wenn sich Giralgeld und CBDC in vielen Punkten unterscheiden und ihre Struktur, Funktionsweise und letztendlich auch potenzielle gesellschaftliche Folgen verschieden sind, ist es wichtig, diese beiden Währungsformen als eins zu betrachten. Denn in der Praxis, das bedeutet für den letztendlichen Endnutzer, den Käufer und Dienstleister, sind sie ein und dasselbe — digitales Geld. Viele Menschen heutzutage setzen ihren Wohlstand mit der Zahl auf dem Bankkonto gleich, bezahlen mit dem Handy und bestellen Dinge im Internet, welche sie per Überweisung im Online-Banking oder Paypal bezahlen. Wie man Giralgeld verwendet, wird zunehmend digital. Und das ist auch der springende Punkt, warum Giralgeld und CBDC zusammengefasst werden müssen: für den Endnutzer sind sie das Gleiche. Ob Max Mustermann die App der Sparkasse oder die App der Zentralbank verwendet, ist ihm letztendlich egal. Fakt ist, dass er eine App nutzt. Der Wohlstand ist eine Zahl, egal ob im Giralgeld oder bei CBDC. Das bedeutet im Endeffekt, dass eine zunehmende Verwendung von digitalem Giralgeld den Pfad für CBDC ebnet. Je mehr Infrastruktur für das Zahlen mit digitalem Geld existiert und etabliert ist, in den Angewohnheiten der Menschen aber auch in ihren Köpfen, desto einfacher, schneller und schmerzloser wird ein Umstieg auf CBDC erfolgen.

Wenn wir von digitalem Geld sprechen, sollte Kryptowährung dort eigentlich auch dazu zählen. Jedoch ist dem in unserer Betrachtung nicht zwangsweise so, da Kryptowährung dezentral ist und mit dieser Dezentralität erhebliche Hürden für die Verwendung und Etablierung einhergehen25. Diese Hürden kann man als normaler Mensch nur überwinden, wenn man ausreichend Motivation hat, was bei den wenigsten der Fall ist. Auch hier wird versucht, diese Hürden zu senken und teilweise sind solche Ansätze auch sehr erfolgreich. Im Großen und Ganzen betrachtet führen diese Hürden jedoch zu einer geringeren Verbreitung, was wiederum dazu führt, dass man Kryptowährungen in der echten Welt nicht oft nutzen kann, was wiederum dazu führt, dass weniger Menschen den Nutzen darin sehen, sich damit auseinanderzusetzen, was wieder zu geringerer Verbreitung führt.

 

Wieso digitales Geld gewinnt

Die Digitalisierung im Bereich der Zahlungsmittel schreitet wie bereits erwähnt immer weiter voran. Und das, obwohl sehr vielen Menschen die erheblichen Nachteile und Gefahren, die diese Entwicklung mit sich bringt, bewusst sind. In diesem Abschnitt soll analysiert werden, warum diese Entwicklung unaufhaltsam scheint und ist.

Digitales Geld gewinnt gerade, weil es besser ist. Nicht besser für unsere Privatsphäre und Freiheit, sondern besser im Sinne der Effizienz. Das zeigt sich primär im Punkt Bequemlichkeit, denn digitales Geld ist sehr bequem. Man hat es immer dabei, gegeben man hat sein Handy dabei, es ist instantan und man muss sich keine Sorgen um Einbrecher oder Raub auf offener Straße machen. Es ist vor allem auch nicht an Raum und Zeit gebunden. Während man mit Bargeld beispielsweise mit einem Tauschpartner immer am gleichen Ort zur gleichen Zeit sein muss, um Geld zu tauschen, ist das bei digitaler Währung natürlich nicht mehr der Fall. Man kann sofort jemandem, der am anderen Ende der Welt sitzt, Geld schicken. Und anders als mit Kryptowährung ist der Überweisungsvorgang nicht an technische Faktoren geknüpft, die das Resultat einer dezentralen Infrastruktur sind, sondern kann so flexibel und nutzerfreundlich wie nur möglich gestaltet werden.

Diese Punkte alleine reichen bei den meisten kritischen Menschen natürlich noch nicht aus, um sie davon zu überzeugen, dass digitales Geld tatsächlich besser ist. Aber hier ist der springende Punkt: Hier geht es nicht darum, jemanden in seiner Meinung zu überzeugen. Der Aspekt der Bequemlichkeit ist eine technische Verbesserung, aus Sicht des Nutzers, und dadurch effizienter. Jetzt denkt man vielleicht, man könne sich ja einfach für das ineffizientere Mittel entscheiden, z.B. Bargeld. Aber leider hat man letztendlich keine wirkliche Wahl. Denn unsere Welt wird von Tag zu Tag immer komplexer. Man muss immer mehr Themen auf dem Schirm haben. Immer mehr Bürokratie, immer mehr kleine Sachen wie Abos oder Accounts bei verschiedenen Plattformen. All das führt zu mehr Stress und “Beschäftigungstherapie”, was aber wohlgemerkt notwendig ist in unserer modernen Welt26. Letztendlich hat das zur Folge, dass wir froh sind, wenn es Dinge gibt, die unseren Alltag vereinfachen und dazu führen, dass wir uns um eine Sache weniger Gedanken machen müssen. Und genau das ist es, was digitales Geld macht. Und das Gleiche gilt auch für jedes Unternehmen. Digitales Geld vereinfacht, mit einer geeigneten und guten Integration, alles ungemein. Es macht alles effizienter, wodurch man sich auf andere Aspekte konzentrieren kann. Wer sich dazu hingibt, digitales Geld zu verwenden, hat auf lange Sicht einen Wettbewerbsvorteil, da Ressourcen, die man für die Handhabung von Bargeld aufwenden müsste, anderweitig verwendet werden können. Letztendlich hat man also keine Wahl, wenn man kompetitiv bleiben will. Denn wenn man seine Menschlichkeit über Effizienz stellt, wird man, auf kurz oder lang, verlieren.

Und durch diese Betrachtung sieht man auch recht deutlich, welche Rolle Eliten und Staat spielen: keine wichtige. Denn diese Entwicklung ist eine natürliche und notwendige unserer technischen Zivilisation. Deswegen fangen auch jetzt bereits Cafés und Bars an, Bargeld nicht länger zu akzeptieren. Und eines ist klar: Sie tun dies freiwillig. Dass der Staat jetzt auch anfängt, digitales Geld voranzubringen und langsam aber sicher ins Gesetz zu schreiben, verläuft anhand der gleichen Schienen. Auch für den Staat macht diese Entwicklung alles einfacher, insbesondere Steuern eintreiben und Schwarzarbeit verhindern. Dahinter steckt nicht einmal zwangsweise eine böse Intention. Diese Entwicklung ist die logische Konsequenz der technischen Zivilisation, in der wir leben.

 

Widerstand — warum und wie?

„Logische Konsequenz der Zivilisation in der wir leben“ klingt erstmal gar nicht gut. Da stellt sich selbstverständlich die Frage, warum man dann überhaupt noch versuchen sollte, etwas dagegen zu unternehmen. Und falls es Sinn ergibt sich gegen diese Entwicklung zu stellen, was man denn tun kann.

 

Warum?

Nur, weil es eine Konsequenz ist, dass es Bargeld, wie wir es kennen, früher oder später nicht mehr in unserer Zivilisation geben wird, bedeutet das nicht, dass nicht Lösungen außerhalb davon existieren können. Zusätzlich kann der Trend hin zur Bargeldlosigkeit sehr wohl verlangsamt, oder zeitweise sogar gestoppt werden. Und je länger es Bargeld gibt, umso besser. Denn in dieser Zeit kann man an Alternativen und Lösungen arbeiten. Außerdem ist es einfacher, alternative Strukturen und Organisationen des Widerstands aufzubauen, solange es Bargeld gibt.

 

Wie?

Das Wie ist trivial einfach: bar zahlen, was man bar zahlen kann. Manche Dinge kann man leider schon jetzt nicht mehr mit Bargeld zahlen oder gezahlt bekommen. Sein Gehalt wird man in den meisten Fällen nicht in Scheinen bekommen, den Semesterbeitrag kann man an den meisten Unis und Hochschulen nur noch überweisen und im öffentlichen Nahverkehr wird es zunehmend schwieriger, auf digitales Geld zu verzichten. Deswegen ist es leider keine gangbare Lösung, komplett auf digitales Geld zu verzichten. Was jedoch sehr wohl eine realistische Lösung ist, ist alles was man bar zahlen kann, auch bar zu zahlen. Alles was man in echt kauft, sollte man mit Bargeld zahlen, und alles, was man in echt, anstatt im Internet kaufen kann, sollte man auch in echt kaufen. Es sollte also im Alltag keinen Unterschied machen, ob man seine Karte dabei hat oder nicht27. Und wenn man nicht in bar zahlen kann und es gleichwertige Alternativen gibt, sollte man diese in jedem Fall nutzen.

Was bringt das? Einerseits macht es einen wirtschaftlichen Unterschied, wenn man Geschäfte boykottiert, welche kein Bargeld mehr akzeptieren, und Geschäfte, die in echt existieren, rein digitalen vorzieht. Man zeigt Geschäften so auch, dass sie Bargeld behalten sollten. Denn wer 95% seiner Einnahmen in bar macht, wird weniger wahrscheinlich auf die Idee kommen, nur noch digitales Geld zu akzeptieren, als jemand, bei dem nur 5% der Einnahmen mit Bargeld gezahlt werden. Zusätzlich nehmen Geschäfte somit mehr Geld ein, da sie bei digitalen Zahlungen, sprich Girokarte, Kreditkarte oder Smartphone, immer einen Teil abgeben müssen. Des Weiteren hat dieser Widerstand kulturelle Signifikanz. Wenn in der Kultur verankert ist, dass man bar zahlt, wird es mehr Widerstand gegen die Abschaffung von Bargeld geben und die vorherigen Punkte werden mehr Einfluss haben, da mehr Menschen mitmachen. Diese Kultur gilt sowohl im gesamtgesellschaftlichen, als auch im Kontext privater Widerstandsbewegungen. Und diese Kultur wird betont und verstärkt, jedes Mal, wenn man in bar zahlt. Insbesondere bei Gruppen, wenn man beispielsweise Essen geht, fällt es stark auf, wenn alle mit Bargeld zahlen. Außerdem entzieht es Banken und Zahlungsabwicklern Macht. Denn Daten sind Macht und je weniger man digital zahlt, desto weniger Macht haben diejenigen, die diese digitale Infrastruktur besitzen. Gleichzeitig macht man sich selbst, und alle um einen herum, weniger transparent und dadurch weniger angreifbar. Je weniger Details über einen selbst in diversen Datenbanken von Banken und Zahlungsabwicklern vorhanden sind, umso besser ist man vor zukünftiger Willkür und Repressalien geschützt.

 

Konkrete Tipps

Da es oftmals Fragen gibt, wie man bequem nur noch bar zahlen kann, will ich hier vier ganz konkrete Tipps geben, die ich für mich persönlich gefunden habe.

Eines der größten Probleme für regelmäßige Kartenzahler, welche wieder auf Bargeld umsteigen wollen, ist, dass sie nie genug Bargeld dabei haben. Natürlich ist das kein Punkt, den man ohne Mehraufwand umgehen kann. Jedoch hält sich dieser Mehraufwand stark in Grenzen, wenn man es richtig macht. Die beste Taktik, die ich für mich entdeckt habe, ist, am Anfang des Monats einmal viel Geld abzuheben, so viel, dass es für den ganzen Monat reicht. Dieses Geld lagere ich zuhause und behalte davon stets ein- oder zweihundert Euro im Geldbeutel. Das ist genug Geld, um auch große Einkäufe zu bezahlen.

Der zweite Tipp dreht sich um Situationen, in denen man leider einfach nicht bar zahlen kann. Beispielsweise ist das immer häufiger in Bus oder Bahn der Fall. Der Tipp ist auch ziemlich einfach: man fragt jemanden, der eine Karte hat, ob dieser für einen zahlen kann und gibt diesem dann den Betrag in bar. Natürlich wird dann letztendlich trotzdem der Dienst/das Produkt gezahlt, jedoch hat dieses Vorgehen einen viel wertvolleren Effekt als Resultat: andere Menschen, die dieses Thema gegebenenfalls noch nie von dieser Seite gesehen haben, realisieren, dass dieser Wandel nicht nur Positives hat und sogar bestimmte Menschen ausschließt. Bestenfalls kommt man noch in ein Gespräch, in dem man die Chance hat zu erklären, warum man nur bar zahlt und wie sich CBDC negativ auf die Gesellschaft auswirkt. Was auch immer gut funktioniert, sollte man in Erklärungsnot geraten, ist die Wahrheit ein wenig zu biegen: „Bei meiner Karte funktioniert das nicht“ hat sich als sehr effektiv erwiesen.

Man sollte sich außerdem immer wieder ins Bewusstsein rufen, wieso man das macht. Wieso man ein Stück Bequemlichkeit aufgibt. Der Grund ist, damit man Teil der Veränderung ist, die man sich wünscht. Damit man nicht verfolgt werden kann und man die Machtzentralisierung nicht weiter verschlimmert. Damit man seinen Teil beiträgt. Jeder einzelne macht vielleicht wenig Unterschied, wenn wir aber alle mitmachen und Widerstand leisten, anstatt nur auf unsere eigene Bequemlichkeit zu schauen, können wir viel erreichen, nicht nur bei diesem Thema. Sich dessen bewusst zu werden gibt einem oft den kleinen Motivationsschub, den man benötigt, um das Barzahlen im Alltag durchzuziehen.

Zu guter Letzt kann man auch immer die Reißleine ziehen und seine Karte einfach zuhause lassen. Dadurch kommt man erst gar nicht in die Versuchung, mit Karte zu zahlen. Das hat außerdem als extrem schönen Nebeneffekt, dass man nicht mehr konsumiert, als man sich vorgenommen hat. Man spart dadurch also gegebenenfalls auch noch Geld.

 

Zusammenfassung

In diesem Artikel haben wir uns fünf verschiedene Formen an Währung betrachtet: Edelmetalle, Bargeld, Giralgeld, Kryptowährungen und CBDC. Diese Währungen wurden anhand gewisser gesellschaftlicher Auswirkungen und Charakteristiken analysiert, beispielsweise hinsichtlich der Privatsphäre, die sie ihren Nutzern bieten.

Die Ergebnisse lassen sich in folgender Tabelle stark vereinfacht zusammenfassen:

  Edelmetalle Bargeld Kryptowährungen Giralgeld CBDC
Schöpfung Theo. dezentral Zentral Dezentral Quasi zentral Zentral
Lagerung Dezentral Dezentral Dezentral Quasi zentral Zentral
Privatsphäre Sehr Gut Sehr Gut Unterschiedlich Schlecht Sehr Schlecht
Anonymität Sehr Gut Sehr Gut Gut Schlecht Sehr Schlecht
Sicherheit ideH. ideH. ideH. Gut Gut
Bequemlichkeit Mittel Gut Unterschiedlich Sehr Gut Sehr Gut
Kontrolle Komplett Komplett Quasi komplett Keine Keine

Die Abkürzung “ideH.” steht dabei für “in den eigenen Händen” und “Theo. dezentral” für “Theoretisch dezentral”.

Wir haben die verschiedenen Formen an Währung zwar analysiert, es wurde jedoch nicht ausgeführt, welche Konsequenzen gewisse Charakteristiken auf gesellschaftlicher Ebene haben. Diese sind teilweise jedoch sehr offensichtlich. Beispielsweise ist es klar, dass wenn eine Zentralbank den Wohlstand aller, sowie die Infrastruktur für Transaktionen verwaltet, sie auch die Möglichkeit hat, Konten von beliebigen Personen zu sperren, oder deren Wohlstand zu schmälern, oder beliebig Handel zu begrenzen.

Zusätzlich wurde analysiert, wieso digitales Geld immer mehr Boden gewinnt. Aber auch warum Widerstand sinnvoll ist, sowie wie man effektiv Widerstand leisten kann.

Letztendlich kann man das Thema digitales Geld wie folgt zusammenfassen: „Wir geben dir Bequemlichkeit, wenn du uns Kontrolle gibst“ ist der zentrale Leitspruch unserer technischen Zivilisation in dieser Hinsicht. Denn sie ersetzt die Ketten der Realität durch die eigenen. Diese sind für die meisten noch unsichtbar, wodurch viele das Gefühl haben, sie wären gar nicht angekettet. Sind sie aber — stärker, fester und rigider als je zuvor. Und das merkt auch jeder, der versucht, sich außerhalb des Radius der Ketten zu bewegen. Die Grenzen der Realität sind offensichtlich, objektiv, gleich für alle und verfolgen kein Ziel. Die Ketten unserer technischen Zivilisation sind unsichtbar, arbiträr, unterscheiden sich abhängig von eigenem Verhalten und Meinung und verfolgen klare Ziele. Man ist nicht mehr an Raum und Zeit gebunden, wenn man sich der technischen Zivilisation unterwirft.

Demnach ist auch offensichtlich, warum man sich mit aller Macht gegen digitales Geld stellen muss: Die fortlaufende Einführung solch einer Währungform ist einer der größten Schritte auf dem Pfad Richtung Dystopie, auf dem wir uns befinden.

Bar zahlen ist das neue Maske verweigern.


 

Fußnoten

1 Das tatsächliche Goldvorkommen, sowie das Vorkommen von anderen Edelmetallen, ist natürlich nicht bekannt. Eine erhöhte Schwierigkeit des Abbaus bringt mit sich Beschränkungen und eine zunehmende Zentralisierung. Etwas was sich auch bei Kryptowährungen wiederfindet.

2 Und auch gegen Bargeld. Tatsächlich werden Argumente der Sicherheit gegen alles in der echten Welt verwendet, da die echte Welt nie perfekt kontrollierbar, und dadurch perfekt sicher, sein kann.

3 Hier ist ein berechtigter Einwand, dass Zentralbanken sehr wohl die Möglichkeit haben, beispielsweise das Geld durch ihr Monopol auf Geldmengenerweiterung zu entwerten. Dies würde dann aber alle betreffen und nicht nur einzelne Individuen.

4 Man könnte argumentieren, dass es ja unterschiedliche Banken gibt, eine vollkommene Zentralisierung demnach nicht stattfindet. In Echt ist die Anzahl an Banken jedoch so niedrig, dass es einer faktischen Zentralisierung gleichkommt. Deswegen verwenden wir hier den Ausdruck “quasi zentralisiert”.

5 Das ist natürlich eine extrem starke Vereinfachung. Wie gesagt, hier soll es nicht so sehr um Details gehen, wie unser jetziges Geldsystem funktioniert, sondern um einen Vergleich, der aufzeigen soll, welche gesellschaftlich relevanten Eigenschaften die jeweiligen Währungsformen haben.

6 Theoretisch sollte man auch in Bargeld zahlen können, aber faktisch ist das zumindest in Deutschland nicht möglich.

7 Die Dynamik der Effizienz, sprich Dinge, die am effizientesten sind setzen sich in unserer technischen Zivilisation auf gesellschaftlicher Ebene früher oder später immer durch, komplett unabhängig von Normen, Werten, Taboos oder sonstigen menschlichen Wünschen, ist eines der zentralsten, argumentativ das zentrale Problem unserer Zeit. Dazu mehr wenn es darum geht, warum sich digitales Geld durchsetzt. Außerdem hoffe ich auch diesen Punkt in zukünftigen Artikeln auszuführen.

8 Hier könnte man argumentieren, dass Paypal, Google, Apple, Visa und Mastercard nicht direkt Verwalter von Giralgeld sind. Dennoch ist es so, dass sie nur mit Giralgeld nutzbar sind und quasi als Abstraktion dazu dienen — eine Abstraktion, die dann wiederum gewisse Vorteile in Bequemlichkeit mit sich bringt.

9 Beispielsweise also, ob man mit Rechenleistung, Speicherplatz oder etwas anderem Schöpfung betreibt. Hauptsächlich spricht man hier von ‘Proof of Work’, Rechenleistung, Speicherplatz, etc., und ‘Proof of Stake’, wer am meisten Geld ‘setzt’.

10 Eine Folge daraus ist, dass es schon seit einiger Zeit nicht mehr wirtschaftlich ist, Bitcoins als Privatperson zu minen.

11 Ein Wallet ist quasi ein Geldbeutel, in dem man Geld lagern kann. Wie in der Realität auch kann ein Individuum beliebig viele Geldbeutel besitzen. Von einem Wallet kann man Geld transferieren und man kann damit auch Geld empfangen. Ein Wallet muss nicht zwangsweise einer Person zuortbar sein. Diese Unzuortbarkeit ist auch der Grund, warum Bitcoin oft als ‘anonym’ bezeichnet wird, dazu später mehr.

12 aka der private Key oder der Seed

13 Brute-Force bedeutet, dass man alle Möglichkeiten ausprobiert. Anstatt also bestimmte Kombinationen zu testen, welche wahrscheinlicher sind als andere, probiert man alle Kombinationen durch. Dieses Verfahren findet immer die Lösung, dauert aber gegebenfalls so lange, dass es nicht praktikabel ist.

14 Dazu muss erwähnt werden, dass Menschen, welche Kryptowährung besitzen, tiefer in der Materie sind, sich deshalb eher der Risiken bewusst sind und sich entsprechend dagegen abschützen.

15 Oder um genauer zu sein: wie lange es dauert, bis man sich sicher sein kann, dass einem Geld überwiesen wurde.

16 Hier gibt es einen sehr validen Einwand: Diese Infrastruktur muss nicht zentralisiert sein, sie könnte auch dezentralisiert sein. Und, dass diese Dezentralität von bestehenden Mächten unterbunden wird. An sich ein valider Einwand, und ja, ich stimme zu, dass die Infrastruktur theoretisch dezentral sein könnte. Praktisch kann sie das jedoch nicht. Alleine schon aus dem Grund, da die Produktion von Computern immer zu einem hohen Grad zentralisiert sein wird, da es mitunter die komplexeste Technologie ist, die existiert. Es gibt noch weitere, viel interessantere Gründe, welche mit unserer technischen Zivilisation zusammenhängen. Diese sollen in weiteren Artikeln erläutert werden.

17 Auch solche Sperren können umgangen werden, mit beispielsweise Tor. Jedoch können auch Tor Nodes wiederum blockiert werden, wie beispielsweise in China. Und auch das kann wieder umgangen werden, mit Bridges o.Ä. Aber auch das kann natürlich wieder blockiert werden. Da das Blockieren sehr viel einfacher ist als das Umgehen der Blockaden, kämpft man mehr oder weniger gegen Windmühlen an und wird auf lange Sicht verlieren.

18 Hier kommt oft das “Argument”, dass das nunmal einfach China sei. Das ist jedoch irrelevant, da es nicht ausgeschlossen ist, dass andere Länder, inklusive Deutschland, solche Techniken in Zukunft ebenfalls nutzen werden.

19 Und wenn etwas nur durch die Exekutive durchsetzbar ist, ist das immer schlecht. Denn Exekutive bedeutet Aufwand, sprich es ist ineffizient. Und es ist oftmals sehr unschön, da Gewalt zum Spiel kommen kann. Diesen Punkt hoffe ich in einem anderen Artikel nochmal gesondert erörtern zu können.

20 Natürlich muss solche eine Nutzung aber nicht nur auf den Staat beschränkt sein, es gibt keinen Grund, warum Firmen davon nicht auch Gebrauch machen könnten.

21 Das Argument ist natürlich nur halb-gar: Man kann selbstverständlich auch sein Handy zu Hause vergessen. Oder der Akku davon kann leer sein, oder man kann keinen Empfang haben, etc. In der modernen Sicht der Welt sind das aber alles nur technische Probleme, die man früher oder später ein für alle Mal überkommen und lösen kann. Auch hierauf werde ich in zukünftigen Artikeln in mehr Tiefe eingehen.

22 In der konkreten Implementierung vielleicht sogar schon, jedoch wird das nie die Bequemlichkeit beeinflussen.

23 Es gibt schon Transaktionskosten, irgendwie muss diese Infrastruktur ja auch bezahlt werden. Jedoch sind diese Kosten indirekt und fließen in die Steuern, die man zahlt, mit ein.

24 Hier muss natürlich die Möglichkeit einer 51% Attacke und ähnlichen erwähnt werden. Solche Angriffe sind auch eine ernstzunehmende Gefahr, jedoch wird hier nicht weiter darauf eingegangen.

25 Hier könnte man argumentieren, dass man beispielsweise auf den Zahlungsgeräten welche nun Giralgeld akzeptieren, und in Zukunft CBDC akzeptieren werden, ja auch genauso gut Software installieren könnte um Kryptowährungen zu akzeptieren. Technisch gesehen sollte es da also keine großen Hürden geben. Und ja, theoretisch ist das möglich. Aber die Frage ist, wer machts? Niemand, denn niemand profitiert davon. Ebenso ist es bei der Erstellung von anderer Endnutzer Software wie Wallet Apps. Oder anders ausgedrückt: es fehlen die notwendigen Ressourcen um Kryptowährung für den normalen Verbraucher zugänglich und attraktiv zu machen. Beziehungsweise gibt es solche Betrebungen schon, jedoch oft mit der Nebenwirkung, dass sie die Vorteile von Kryptowährung negieren. Denn wenn es darum geht Kontrolle über die eigene Kryptowährung zu haben, bedeutet das nunmal sich mit der zugrunde liegenden Technologie soweit auszukennen, dass man eben nicht vollkommen von Drittanbietern abhängig ist.

26 Dazu auch in kommenden Artikeln mehr.

27 abgesehen beim Geld abheben von der Bank natürlich